Gedanken zur Fantasie von Franz Schubert

von Thomas Riebl


 
Die C-Dur-Fantasie, D 934, die Franz Schubert im Dezember 1827 für den sogenannten «böhmischen Paganini» Josef Slavík komponierte, sorgte bereits bei ihrer Uraufführung am 20. Januar 1828 für Irritationen. Vor allem ihre ungewöhnliche Länge und formale Anlage überforderten Teile des damaligen Publikums. Zeitgenössische Berichte erzählen sogar davon, dass ein Kritiker den Saal vorzeitig verliess, während ein anderer das Werk als zu anspruchsvoll für ein breites Publikum bezeichnete und es eher einem «eigentlichen Kenner-Publikum» vorbehalten sah. Diese Reaktionen verdeutlichen, wie sehr Schubert mit dieser Komposition bewusst Grenzen überschritt und Erwartungen herausforderte.

 
Thomas Riebl
Die Fantasie offenbart einen bemerkenswert strengen und zugleich originellen Aufbau: In einer einzigen, gross angelegten Form vereint Schubert gleichsam vier rudimentäre Sonatensätze. Dieses Prinzip kennt man bereits aus anderen bedeutenden Werken wie der Wanderer Fantasy oder der f-Moll-Fantasie für Klavier zu vier Händen. Auch hier gelingt es ihm, unterschiedliche Charaktere und musikalische Welten organisch miteinander zu verbinden und in einen grossen dramaturgischen Bogen einzubetten, der sowohl strukturell als auch emotional überzeugt.

Mich persönlich hat Schuberts Fantasie seit jeher tief berührt und gleichzeitig fasziniert. Berührt auf jene schwer in Worte zu fassende, einzigartige Weise, die so typisch für Schuberts Musik ist—eine Mischung aus Innigkeit, Melancholie und stiller Grösse. Besonders eindrücklich wird dies, wenn er sein Lied Sei mir gegrüsst aus dem Jahr 1822 zitiert und in den grösseren Zusammenhang der Fantasie einbettet. Diese Momente besitzen eine zeitlose Qualität, die unmittelbar anspricht und lange nachklingt.

Gleichzeitig fasziniert mich die meisterhafte Art, wie Schubert einen Spannungsbogen von elegischer Ruhe bis hin zu virtuoser Brillanz entwickelt. Die Fantasie verlangt beiden Instrumentalistinnen und Instrumentalisten höchste technische und musikalische Fähigkeiten ab: feinste Klangnuancen, grosse Aus
Thomas Riebl (Viola) & Mari Kato (Klavier)
druckskraft und eine souveräne Beherrschung komplexer Strukturen. Gerade dieses Zusammenspiel aus Tiefe und Virtuosität macht den besonderen Reiz des Werkes aus.

Mein guter Freund und Kollege Rudolf Leopold hatte mich bereits vor einiger Zeit mit einer eigenen Bearbeitung darauf aufmerksam gemacht, dass dieses aussergewöhnliche Werk auch auf der Bratsche überzeugend zur Geltung kommen kann. Diese Idee hat mich lange begleitet und beschäftigt.

Nach einigem Zögern und reiflicher Überlegung habe ich schliesslich meine eigene Fassung erarbeitet. Es war mir ein grosses Anliegen, den Charakter und die Ausdruckskraft des Originals zu bewahren und gleichzeitig die besonderen Möglichkeiten der Bratsche zur Geltung zu bringen. Nun hoffe ich sehr, dass diese Bearbeitung ihren Weg in das Repertoire vieler Bratschistinnen und Bratschisten finden wird und dazu beiträgt, dieses faszinierende Werk aus einer neuen Perspektive erlebbar zu machen.FormularbeginnFormularende


Mehr Informationen:

 
     

Schubert, Franz  (1797–1828)
Fantasie
für Bratsche und Klavier
Original für  Klavier und Violine, D 934- op.opst. 159
Partitur und Violastimme bezeichnet
» Zur Ausgabe mit Vorschau

 

Fantasie
für Bratsche und Klavier
Violastimme unbezeichnet
» Zur DOW-Ausgabe mit Vorschau
 

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